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BAKTERIEN, PILZE UND VIREN GIBT ES ÜBERALL. SIE SIND ALLGEGENWÄRTIG, UND IM
NORMALFALL WIRD UNSER ORGANISMUS MIT DEM TÄGLICHEN B-WAFFEN-ANGRIFF SPIELEND FERTIG - SOLANGE WIR GESUND UND VERLETZUNGSFREI SIND. ABER MUSS MAN SICH DESHALB GLEICH EIN SOLCHES WAFFENLAGER ANS HANDGELENK BINDEN?

Als Uhrmachermeister bekomme ich jeden Tag verschiedene Armbanduhren zur Reparatur in die Werkstatt. Nicht immer die teuersten, kompliziertesten Modelle, und leider auch nicht immer die gepflegtesten Exemplare. Kratzer, Kerben und gesprungene Gläser lassen einen ziemlich rüden Umgang mit dem persönlichen Zeitmesser erahnen, verbogene oder gebrochene Hebel, Achsen und Stifte im Innern des Werks bestätigen oft diesen Verdacht. Besonders unschön sind jedoch die in den verdeckten Ritzen und Nischen der Gehäuse festgesetzten Schmutzränder, und was nach der Reinigung eines Metallgliederbandes alles in der Spülschale schwimmt, kann einem leicht den Appetit verderben. Da muß manchmal auch ein Uhrmacher hart im Nehmen sein.

Die dunkelgraue, luftgetrocknete Kruste besteht aus Hautschuppen, Hautfett, Straßenstaub und Schweiß, manchmal vermischt mit Spritzern von Bratensoße, Milch, Saft, eventuell Hundespeichel oder bakterienschwangerem Wasser aus Baggersee, Freibad oder Mittelmeer, ständig auf angenehmer, wachstumsfördernder Temperatur von knapp 37 'C gehalten. Und sie ist somit ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilzkulturen aller Art, zumal die schwer zugänglichen Ritzen den Dreck über Monate, wenn nicht gar Jahren zuverlässig vor Fremdeinwirkungen schützen.

Um einmal herauszufinden, was genau sich da alles zwischen Bandanstoß und, Faltschließe ansammelt, habe ich einen befreundeten Apotheker und Arzt um Mithilfe gebeten.
Auf einem speziellen Bakterien-Anzuchtboden für Laborzwecke (auf Basis der Meeralgensorte «AgarAgar», daher der Kurzbegriff «Agar-AgarBoden») wurde das angefeuchtete Metallgliederband zweimal abgelegt und das Labordöschen gegen das Eindringen von frei in der Umgebungsluft herumfliegenden Sporen und Bakterien sofort verschlossen.Die durchsichtige Flachdose wurde in einem Warmhalteofen zwei Tage bei konstanten 30 'C aufbewahrt und anschließend auf die Bildung von Pilz- und Bakterienkulturen untersucht. Um es kurz zu machen: Schimmelpilze, Gelbsuchterreger und Herpes-simplex-Viren (Erreger einer Geschlechtskrankheit, die u.a. die juckenden Lippenbläschen hervorrufen) waren noch das Harmloseste, was wir auf dem Agar-Agar-Nährboden fanden. Wesentlich unerfreulicher und für die Gesundheit auch wesentlich gefährlicher waren die in zahlreichen Verwandtschaftsarten indizierten Streptokokken, deren aggressivere Spielarten Infektionen auslösen bzw. kleine Hautkratzer in schwärende Wunden verwandeln.

Erschreckend war vor allem die Tatsache, daß sich die umfangreichen Kulturen innerhalb von nur 48 Stunden gebildet hatten - man stelle sich die geballte Ladung unappetitlicher Untermieter vor, die da zum Teil monate- wenn nicht jahrelang die Annehmlichkeiten unserer Hautflora mitbenutzten! Solange die Haut unter dem Armband unverletzt ist und die körpereigenen Abwehrkräfte einigermaßen funktionieren, mag das Ganze ja auch verhältnismäßig lange Zeit gutgehen. Spätestens, wenn sich unter dem Uhrenarmband Pusteln, Hautrötungen oder Schuppungen bilden, sollten jedoch die Alarmglocken schrillen: Bakterieller Großangriff! Wie es mit dem «Eigenleben» ihres Uhrenarmbandes steht, können Sie leicht selbst überprüfen: Bei Metallbändern halten Sie ein etwa drei bis vier Zentimeter langes Stück Band unter den laufenden Wasserhahn und legen das feuchte Band auf ein frisches, aufgefaltetes Papiertaschentuch (ohne Mentholzusatz). Nach etwa einer halben Stunde entfernen Sie das Band: Im günstigsten Fall dürfte nun gar nichts oder nur eine leichte Grau-Verfärbung auf dem Taschentuch zu sehen sein. Ist dagegen ein deutlicher dunkelgrauer Bandabdruck zu sehen, ist das Band reif für die Reinigung. Lederbänder geben natürlich ebenfalls besonders gute Bakterien-Nährböden ab. Um das Lederband auf Pilz-und Bakterienkulturen zu untersuchen, genügt es, ein angefeuchtetes Papiertaschentuch leicht über die Bandinnenseite zu reiben: Es sollte sich dabei nicht verfärben.

Warten Sie nicht, bis das Armband eine dunkle Schmutzspur am Handgelenk hinterläßt, bevor Sie es zur Ultraschallreinigung geben. Einmal pro Jahr wird allgemein empfohlen, aber nach einem richtig heißen Sommer oder bei regelmäßiger sportlicher Betätigung kann eine solche Reinigung auch schon erheblich früher angeraten sein. Und zwischendurch empfiehlt sich eine kleine Reinigung in warmer Seifenlauge, die natürlich nicht so gründlich ist wie ein Ultraschallbad und dieses daher auch kaum ersetzen kann.


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Uhren Schmuck KiAU

Michael Kiau
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